Geschichte der Kleingartenkolonie Reinhold in Davenstedt

Anno 1921 war in vielerlei Hinsicht ein bedeutendes Jahr. Die bis dahin selbständige Stadt Linden wurde nach Hannover eingemeindet, die Inflation setzte ein. Die Erbengemeinschaft Reinhold hat zu dieser Zeit ihr Ackerland an die Stadt Hannover verkauft, diese hat ihrerseits die Fläche zum Gartenland erklärt und an den heutigen Kleingartenverein Fösse e. V. verpachtet. Auf diesem Gelände wurde die Kolonie Reinhold mit 25 Gärten gegründet.

Viele Familien aus Lindener Hausgemeinschaften fanden den Weg in die Kolonie. Die Gartenflächen waren ausschließlich mit Obstbäumen und Sträuchern sowie Feldfrüchten zur eigenen Versorgung bestellt. Rasenflächen kannte man nicht. Die Väter fuhren per Rad zur Arbeitsstelle. Die damaligen Holzlauben boten für viele Platz. Bei Einsetzen der Heizperiode wurden die Habseligkeiten mit dem „Bollerwagen“ nach Haus gebracht.

Zu Anfang versorgten sich die Gartenfreunde mit Trink- und Brauchwasser aus dem Wohnhaus Davenstedter Straße/Ecke Golternstraße — ein Eimer kostete damals 10 Reichspfennige. Diese problematische und auch mühsame Beschaffung änderte sich im Jahre 1929, als im Norden der Kolonie die Gärtnerei Brackmann & Horn einzog.

Der Gartenbaubetrieb setzte sich mit der Kolonie zwecks Bau einer Wasserleitung in Verbindung. Die Erstellung sollte 1.500 Reichsmark kosten. Den stadteigenen Anschluss mit 264,- Reichsmark übernahm die Firma Brackmann & Horn, der Rest wurde von den Gartenfreunden aufgebracht.

Das Rohrmaterial wurde von einem Gartenfreund besorgt. Über der Wasserleitung wurden im damaligen Tulpenweg zwei Schächte mit Zapfstellen eingerichtet, über die sich alle versorgen mussten.

Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges bestand enger Kontakt zur benachbarten Flakstellung, von der man sich gewissen Schutz versprach. Von den Bomben wurde die Kolonie dennoch nicht verschont. Einige Lauben brannten ab. Für den Wiederaufbau der Lauben wurden vom Raschplatz aus einem Trümmerfeld 2.000 Steine besorgt. Viele Gärten waren nach dem Krieg verwildert. Die Hecke an der Davenstedter Straße wurde bewusst nicht geschnitten, um Neugierigen die Sicht zu verwehren.

Im Jahre 1946 wurde die Kolonie Reinhold Mitglied des Kleingartenvereins Fösse e.V..

Als 1959/1960 Gartenfreund Wiechers die Kasse übernahm belief sich der Bestand auf nur 185,74 DM. Damals wurden die Mitgliederbeiträge noch vor Ort erhoben und in ein Kassenbuch eingetragen. 1960 bestand die Kolonie 40 Jahre.

1962 verdichteten sich die Gerüchte um die Verbreiterung der Golternstraße, die bisher nur ein Feldweg war. Der Vereinsvorstand legte bei der Stadt Hannover Widerspruch ein und erwirkte damit für viele Jahre die Zurückstellung des Vorhabens.

1966 werden neue Kolonietore nach Einholung mehrerer Angebote erstellt. Die Brennzeit für brennbare Gartenabfälle wird auf Donnerstags zwischen 16 und 19 Uhr festgelegt. Die Kolonie feiert ihr Laubenfest mit der gegenüberliegenden Kolonie Saline gemeinsam.

1970 wird vom Vergnügungsausschuss das 50jährige Stiftungsfest vorbereitet. 1972 wird der Beitrag auf 40,- DM erhöht.

1974 wird entlang des Bahngrabens ein neuer Zaun gezogen. Im Mai erhalten die Koloniewege eine neue Befestigung aus roter Haldenschlacke. 1975 erhält die Kolonie-Nordseite einen neuen Zaun. Der Heckenschnitt wird angemahnt — das war häufiger so. Eine Vorschrift löst die andere ab, nun darf nur noch wintertags am Donnerstag gebrannt werden und wenig später ist das Brennen ganz verboten.

1975 wurde trotz sparsamen Umgangs mit Trinkwasser ein verhältnismäßig hoher Wasserverbrauch festgestellt. Die Wasserleitung wurde mittels einer Druckprobe untersucht. Vielerorts werden Schäden festgestellt, 1975 wird der Bau eine neuen Wasserleitung, einer Ringleitung, beschlossen.

So hat jetzt jeder Garten einen eigenen Anschluss. Die Kosten hielten sich in Grenzen. Da alle Gartenfreunde fleißig zufassten. Durch Neuparzellierung im vorderen Bereich erhält die Kolonie zwei weitere Gärten und verfügt nunmehr über 27 Gärten.

Ein weiteres Ereignis warf seine Schatten schon Jahre voraus; Die Golternstraße wird nun statt um 3 Meter gleich um 7 Meter verbreitert. Mehrere Gartenlauben fallen dieser Maßnahme zum Opfer und müssen auf der Koloniewegseite neu erstellt werden. Eine entsprechende Entschädigung bei der Stadt wurde erwirkt, deckte aber nicht alle Unkosten.

1978 wurde entlang der Golternstraße eine Hainbuchenhecke von den beteiligten Gartenfreunden gepflanzt. Die Pflanzen stellte die Stadt zur Verfügung. Die Kolonie Saline wird 1979 Verein und die Kolonie Reinhold feiert wieder ihre eigenen Laubenfeste. Von der Stadt Hannover erhält die Kolonie die Bestätigung zur Dauerkolonie — zunächst bis zum Jahre 2002.

Im Herbst 1981 wurde das Jubiläum „60 Jahre Kolonie Reinhold“ im Gasthaus „Zur Linde“ in Hannover-Limmer gefeiert.

1982 werden die Kolonieschilder erneuert. Der Vorstand in seiner Eigenschaft als Wasserausschuss beklagt sich über die Kletterpartien über Tore und Zäune zum Ablesen der Wasseruhren. Es wird die Bereitstellung aller Pfortenschlüssel beim Vorstand erwogen und später auch erreicht. Im Zuge des Straßenbaues verlegten die Stadtwerke vorab den Hausanschluss für die in der Planung befindliche Kolonie-Eltanlage.

Nach einem Informationsvortrag über Planung, Kosten und Bauausführung wird am 8.1.1983 Einmündigkeit zur Erstellung der Eltanlage erzielt Im Spätsommer werden die Erdarbeiten in Eigenleistung erledigt, während die Elektrofirma Wehlauer die Verteilerschränke setzt und die Kabel verlegt. Bis auf wenige Ausnahmen erhält jedes Gartenhaus seinen Anschluss. Kerzen und Petroleumlicht gehören nun der Vergangenheit an.

Im Jahre 1984 erhielten die Koloniewege nach erfolgter Verstromung eine neue Decke.

1990 wurde auf dem Verhandlungswege erreicht, dass die Bundesbahn sich als Kostenträger für den Bahngraben zuständig bekennt und somit unsere jährlichen Räumungsarbeiten finanziell abdeckt.

Quelle: Aus einer Festschrift der Kolonie Reinhold